Chronik des Blasorchesters
Gründungszeit
Die Gründung des Musikvereins Betzingen wurde im Mai 1903 durch einen Aufruf im Generalanzeiger initiiert. Daraufhin kam es zur Konstitution eines provisorischen Ausschusses, der die eigentliche Gründungsversammlung, welche im Juni 1903 stattfand, vorbereitete. Diese Versammlung bestätigte den provisorischen Ausschuss als ordentlichen Vorstand des neuen Vereins. Die erlassenen Vereinsstatuten, die einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von 50 Pfennig vorsahen, genehmigte das Oberamt ohne Änderungen. Und so wurde schon bald mit der Ausgabe von Mitgliedskarten begonnen.
Neben der Satzung war die Beschaffung und Finanzierung der Musikinstrumente der wichtigste Verhandlungspunkt. Dank eines zinsfreien Darlehens der Firma Schickhardt in Höhe von 500 Mark, konnten 12 Instrumente zum Preis von 536 Mark angeschafft werden. Den 12 aktiven und 100 passiven Mitgliedern war es möglich das Darlehen bis zum Jahre 1908 zurückzuzahlen. So stand einem erfolgreichen Start des neuen Vereins nichts mehr im Wege.
Die ersten Musikproben fanden bei Vorstand Schlotterbeck unter der Leitung von Karl Maier aus Reutlingen statt. Es war ein mühseliger Anfang. Immerhin: Übung, Liebe zur begonnenen Musik und viel Fleiß brachten bald zu Wege, was man so schnell kaum zu hoffen wagte. Die erste Weihnachtsfeier - die seither fester Bestandteil unseres Vereinslebens ist - und zwei Monate danach ein Fasnachtskränzchen zeigten die ersten Erfolge. Auch die Eingemeindung Betzingens zu Reutlingen stellte den noch jungen Verein vor keine Probleme, hatte man sich doch bei der Stadtverwaltung schon einen guten Namen gemacht. Trotz zurückgehender Mitgliederzahlen in den Jahren nach 1908, konnte der Verein neue Instrumente hinzukaufen und so einen soliden Musikernachwuchs heranbilden. Dazu stellte man einen Ausbildungsvertrag für Musikzöglinge auf, den jeder Lernwillige unterzeichnen musste.
In den folgenden Jahren kam es zu ersten Beteiligungen bei Preiswettspielen. So konnten die Betzinger Musiker ihren ersten Preis - einen silbernen Pokal - vom Musikfest des Schwarzwald-Gau-Verbandes aus Trossingen mit nach Hause bringen. Die Freude in Betzingen war so groß, dass die Musiker am Bahnhof von einer begeisterten Volksmenge feierlich empfangen wurden. Mit Beginn des ersten Weltkriegs, der auch unter den Vereinsmitgliedern zahlreiche Opfer forderte, musste die Vereinsarbeit allerdings eingestellt werden.
Weimarer Republik
Doch schon im März 1919 konnte der Verein seine Tätigkeit wieder fortsetzen. Die noch amtierende Vorstandschaft hatte sich zum Ziel gesetzt, sich nicht auf Betzingen zu beschränken und weitete die Tätigkeit des Vereins so auf das Oberamt und sogar darüber hinaus aus. Auch in der Kirchenmusik war der Musikverein Betzingen tätig.
Auch die traditionellen Weihnachtsfeiern wurden wieder aufgenommen. So konnte die erste Weihnachtsfeier nach dem Neubeginn mit 119 Passiven, acht Aktiven und sechs Musikzöglingen gestaltet werden.
In den folgenden Jahren der Inflation sah sich der Ausschuss genötig, die im Vereinslokal ausgestellten Pokale in private Verwahrung zu bringen. Der Mitgliedsbeitrag wuchs so bis 1923 auf 400 Mark an. Doch auch in diesen Jahren spielte sich allerhand positives im Vereinsleben ab: so konnte in Reutlingen ein weiterer Siegeslorbeer errungen werden. 1923 entschloß man sich endlich auch zur Aufnahme von Frauen in den Verein.
1925 nahm man erstmals an einem Wertungsspiel der Oberstufe teil und errang auf Anhieb einen beachtenswerten Ia-Preis mit Pokal. Diesem Erfolg folgten weitere in Triberg, Schwäbisch Gmünd und Kirchentellinsfurt.
Im Jubiläumsjahr 1928 entschloss sich der Verband das 6. Bezirksmusikfest mit den Feierlichkeiten zum 25jährigen Bestehen des Musikvereins Betzingen zu verbinden. So wurde dieses Jubiläum, das unter der Schirmherrschaft des Reutlinger Oberbürgermeisters Hepp stand zu einem glanzvollen Höhepunkt der Vereinsgeschichte: neben einem historischen Umzug und dem Kinderfest wurde ein großes Festbankett veranstaltet. Abgerundet wurden die Feierlichkeiten durch einen Massenchor auf dem Festplatz und das Wertungsspiel des Bezirksmusikfests. Wenige Tage nach den Feierlichkeiten wich die Freude der Trauer ob des Todes von Vorstand Georg Kehrer. Ein arbeitsreiches Leben für den Verein hatte seinen Abschluss gefunden.
Nationalsozialismus
Während der nationalsozialistischen Diktatur ging das Vereinsleben weiter. Die Kapelle, die bis 1933 auf 29 Mann angewachsen war, erhielt Verstärkung durch einen zwölf Mann zählenden Spielmannszug, der dem Verein angeschlossen wurde und konnte so ihre kulturelle Aufgabe in Betzingen erfüllen.
Erst mit Kriegsbeginn wurde es zunehmend schwieriger Auftritte zu organisieren, da viele Mitglieder zur Wehrmacht eingezogen wurden. Dennoch konnte die Vereinsarbeit, oftmals mit Hilfe der Nachbarkapellen, bis 1943 aufrecht erhalten werden.
Nachkriegszeit
Erst 1948 durfte mit Genehmigung der Besatzungsmacht die Arbeit im Verein wieder aufgenommen werden. Doch obwohl die Instrumente, inklusive eines Klaviers, und das übrige Vereinseigentum, das während des Krieges privat verwahrt worden war, wieder zur Verfügung standen, war es nicht einfach die Arbeit fortzusetzen. Zu viele der Mitglieder waren aus dem Krieg nicht zurückgekehrt. Dennoch gab es bereits 1948 wieder eine Weihnachtsfeier der Ständchen und Konzerte folgten. Diese Auftritte und eine gezielte Werbeaktion mit Platzkonzerten in den Ortsteilen, trugen dazu bei, dass in kürzester Zeit 120 neue Mitglieder zu verbuchen waren. 1950 musizierte die Kapelle zehn Tage lang auf dem Canstatter Volksfest in der Betzinger Tracht.
Die fünfziger Jahre
1951 wurde die Betzinger Turnhalle zur Festhalle umgebaut. Zu deren Eröffnung wurde dann ein großes Fest gefeiert, bei dem auch der Musikverein vertreten war, da ja auch wir dort unsere Weihnachstfeiern abhalten - auch wenn die Halle heute zu klein für uns ist. Auch ein Besuch bei der Stadtkapelle Schwäbisch Gmünd der 1951 stattfand, soll hier nicht unerwähnt bleiben.
1952 veranstalteten die Betzinger Sängerschaft und wir ein gemeinsames Konzert, das ein voller Erfolg wurde. Groß gefeiert wurde natürlich auch das 50-jährige Bestehen des Musikvereins Betzingen im Jahre 1953. Nach einem halben Jahrhundert gab es Grund genug stolz zu sein auf das Geleistete, aber auch kritisch zurückzublicken um aus Fehlern für die zukünftigen 50 Jahre zu lernen.
1957 wurde vom Musikverein unter Dirigent Eugen Löffler in Betzingen das Kreismusikfest ausgerichtet, das sowohl dem Musikverein als auch der Gemeinde Betzingen die Möglichkeit bot sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.
Sechziger Jahre
1961 konnte der Verein Ernst Geiger für eine 25jährige Tätigkeit als Vorstand ehren. Geiger hatte sich große Verdienste für die Volksmusik erworben. 1963 stand die 60 Jahr Feier unter dem Motto "Nach 60 Jahren - ein frohes Fest" und wurde ein voller Erfolg. Mit dem Beschluss des Vorstands Jugendliche im Verein an Instrumenten auszubilden, der 1965 gefasst wurde, stand der Gründung eines Jugendorchesters nichts mehr im Wege. Dank der aktiven Mithilfe einiger musikalisch begabter Vereinsmitglieder kann die Ausbildung in eigener Regie durchgeführt werden. 1968 spielten so 26 Jungbläser in der ersten Jugendkapelle des Vereins. 1969 wurde eine neue Uniform eingeführt, die beim Sommerfest zum ersten Mal präsentiert wurde. Als Gäste durften wir zum ersten Mal unsere Musikfreunde von der "Harmonie de Roanne" aus Roanne, der französischen Partnerstadt Reutlingens, begrüßen. Noch im selben Jahr haben wir den Besuch in Roanne erwidert.
Siebziger Jahre
1970 stand ein weiterer Besuch unserer Kapelle in Frankreich auf dem Programm. Sie trat anläßlich eines Sport- und Blumenfests in Annemasse auf.
Seit 1970 gibt der Verein, um auch die fördernden Mitglieder genau über das Vereinsgeschehen informieren zu können, alle zwei Monate die "MV-Rundschau" heraus. Sie hat sich über die Jahre bewährt und stellt heute eine wertvolle Chronik und ein gutes Nachschlagewerk dar. Anläßlich eines erneuten Besuchs unserer Musikfreunde aus Roanne in Reutlingen, veranstalteten wir ein gemeinsames Konzert im Matthäus-Alber-Haus (Reutlingen), das zu einem großen Erfolg wurde. Das neu geschaffene Vereinsabzeichen wurde damals zum ersten Mal verliehen. Unser Gegenbesuch in Frankreich, bei dem wir wunderschöne Tage erleben durften, fand dann im Mai 1974 statt.
1978 schließlich konnte der Verein sein 75jähriges Bestehen mit einem großen Fest feiern. Es gab einen Festumzug, ein Festzelt und ein Festbankett. Außerdem wurde eine Festschrift herausgegeben. Das Fest nahm man sich zum Anlass, der Kapelle eine neue Einheitskleidung zu spendieren. Damals hatte der Verein 420 Mitglieder. Davon waren 42 im Blas- und 39 im Jugendorchester aktiv.
Achtziger Jahre
1981 wurde ein großes Sommerfest mit "Südtiroler Abend" veranstaltet, der von einer Gastkapelle aus Prissian (zwischen Meran und Bozen) verstärkt wurde.
1982 Vorstand Erwin Digel gibt nach 15-jähriger Tätigkeit sein Amt ab und wird Ehrenvorstand.
Anläßlich eines erneuten Besuchs der "Harmonie de Roanne" organisiert Vorstand Helmut Hummel ein abwechslungsreiches Programm.
1983 Die Stadt Reutlingen stiftet für verdiente Blasmusiker, die 40 Jahre musizieren ein Ehrennadel. Unsere Jugendkapelle, unter der Leitung von Wilfrid Keser umrahmt deren erste Verleihungsfeierlichkeit.
Zum 80jährigen Jubiläum wird wieder ein großes Fest, einschließlich Festzug, gefeiert.
1984 Die Musikkapelle besucht erneut unsere Musikerfreunde in Roanne und wird mit Booten auf dem Kanal in die Stadt geleitet.
1985 Die Jugendkapelle nimmt vom 28. bis 30.6. an den Feierlichkeiten zum 25jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Reutlingen-Roanne teil.
19861986 veranstaltet der Musikverein Betzingen seine erste Sonnwendhockete am 21. und 22.6. auf dem Kemmlerplatz.
1987 beginnt eine freundschaftliche Verbindung mit der Musikervereinigung Böckingen/Heilbronn.
Im Oktober nimmt die Kapelle zum ersten Mal am Oktoberfest-Umzug in München teil. Dabei präsentiert sie sich natürlich in der Betzinger Tracht.
1988 Beim Fasnachtsumzug in Eglingen trägt die Musikkapelle zum ersten Mal das neue Fasnachtshäs, das einige Musikerfrauen unter der Anleitung von Frau Irma Henne in der Vereinsstube, Mühlstraße, genäht hatten.
Neunziger Jahre
1990 Unter Dirigent Helmut Hummel nimmt der Musikverein Betzingen eine eigene Musikkasette auf.
1991 Reinhard Langer ein Musiker, der in der eigenen Jugend groß wurde, übernimmt den Taktstock.
1992 Der Musikverein erhält von Herrn Falkenburger ein Fertighaus zum Abbau als Spende geschenkt. Dieses Haus soll bei der Karlshöhe als Vereinsheim aufgebaut werden.
1993Auf Einladung der Stadt besucht unsere Jugendkapelle die neue Reutlinger Partnerstadt Szolnok in Ungarn.
Wir feiern unser 90jähriges Bestehen. Aus diesem Grund erhalten die Musiker des Blasorchesters eine neue Uniform. Im Jubiläumsjahr zählt der Musikverein 18 Ehrenmitglieder, 306 passive Mitglieder, 41 Musikerinnen und Musiker im Blasorchester und 40 Jungmusikerinnen und Jungmusiker in der Jugendkapelle bzw. in Ausbildung.